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Beurteilungsfehler im Studium

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Menschen machen Fehler. Das ist bekannt. Das heißt logischerweise, dass auch die Menschen Fehler machen, die andere beurteilen. Und Lehrer beurteilen dich. Beurteilungsfehler sind eine unumstößliche Tatsache. Statt sich darüber zu beschweren, dass es Beurteilungsfehler gibt, möchte ich dir heutige ein paar Techniken vorstellen, wie du möglicherweise bessere Noten bekommst als du sie verdient hättest.

Diese Beurteilungsfehler kommen aus der Wirtschaft und die Fehler sind psychologisch fundiert nachgewiesen. Dazu möchte ich noch kurz meine praktischen Erfahrungen schildern. Aus meiner Sicht wurde ich mündlich immer besser bewertet, als ich es eigentlich war. Das habe ich meinen Lehrern natürlich nie gesagt 😉

Kommen wir nun zu den entsprechenden Fehlern und meinen Empfehlungen, wie du diese Falschbeurteilung für deinen Vorteil nutzen kannst. Ich habe auch eine Artikelserie über die Persönlichkeitsanalyse von Lehren erstellt.

 

 

Der Nikolaus Effekt

Dieser Beurteilungsfehler besagt, dass sich Erinnerungen aus der jüngeren Vergangenheit besser einprägen als die, die schon einige Zeit her sind. Das ist ja eigentlich auch logisch. Man kann das mit dem besseren Benehmen von Kindern vergleichen, je näher der Nikolaustag rückt. Deswegen die Bezeichnung „Nikolaus Effekt“.

Lehrer versuchen das zu umgehen, in dem sie jede einzelne Stunde bewerten und sich Notizen machen. Aber auch hier habe ich einen Tipp. Konzentriere deine Anstrengungen während des Unterrichts auf den Anfang und das Ende der Stunde. In der Mitte kannst du dir eine Auszeit nehmen, ohne dass es auffällt. Warum solltest du dich auch auf den Anfang konzentrieren? Nach dem, was wir Menschen erst kürzlich wahrgenommen haben, prägt sich der Anfang von etwas am Stärksten ein. Denk zum Beispiel an Fußball: Als Erstes interessiert die Leute, wer Meister geworden ist. Anschließend fragt man nach den internationalen Plätzen und dann nach den Absteigern. Das Mittelfeld der Tabelle interessiert doch fast niemanden. So ist das auch mit den Schulstunden.

Also, als Praxistipp: Beteilige dich zunächst sehr stark am Beginn der Stunde. Sollten Hausaufgaben gegeben worden sein und verglichen werden, melde dich gleich. So zeigst du Interesse und kannst vielleicht sogar etwas Richtiges sagen. Natürlich solltest du das nur tun, wenn du die Aufgaben ordentlich erledigt hast. Gegen Mitte der Stunde kannst du dir eine kleine Auszeit nehmen, wenn du das möchtest. Am Ende solltest du wieder ordentlich Gas geben und dich beteiligen. So wirst du mündlich gut bis sehr gut beurteilt werden.


Der Entwicklungseffekt

Dieser Beurteilungsfehler ist ähnlich wie der Nikolauseffekt. Nehmen wir an, du hast zu Beginn des Schulhalbjahres nicht gut mitgearbeitet. Im Lauf der Zeit hast du dich nach und nach immer mehr angestrengt.

Die Lehrer werden diese Entwicklung positiv deuten. Im Extremfall bekommst du sogar die Note, die du erreicht hättest, wenn du dich noch weiter ins Positive entwickelt hättest.

 

Der Überstrahlereffekt

Du kannst eine Sache besonders gut? Wunderbar. Konzentriere dich genau darauf. Der Überstrahlereffekt besagt, wenn ein Mensch eine Aufgabe besonders gut kann wird ihm unterstellt, dass er auch andere Aufgabengebiete besonders gut beherrscht.

Nehmen wir an, du kannst besonders gut präsentieren. Dann solltest du dich bei Präsentationen oft anbieten. Du kennst dich gut mit der IT aus? Auch hier kannst du selbstverständlich punkten, wenn ein Lehrer etwas präsentieren will und mit der IT Probleme hat. So wird dir Kompetenz unterstellt und du lenkst von deinen Schwächen ab. Für die Lehrer wird es dann schwierig, dich schlecht zu beurteilen.

Hierzu ein Praxisbeispiel aus dem Berufsleben. Ein ehemaliger Arbeitskollege war ein absolutes Organisationstalent. Er konnte wirklich fast alles organisieren. Die allermeisten wären bei seinen Aufgaben gescheitert. Mein Vorgesetzter sagte einmal, „Den kann man alleine mit zwei Eimern Sand in der Wüste aussetzen und anrufen. In fünf Minuten hat der alles organisiert.“ So nahm auch ich es wahr.

Da wir direkt zusammen arbeiteten, sah ich allerdings auch öfter im Kaffeeraum oder beim Rauchen. Böse Zungen würden sagen, er hätte mehr geraucht als gearbeitet. Auch anderen direkten Kollegen fiel auf, dass er doch nicht so viel arbeitete. Wir kamen locker ins Gespräch und er wusste selbst, dass er vielleicht nur die Hälfte des Arbeitstages mit Arbeit verbrachte.

Er kommentierte das so: „Du musst dich nur einen Zentimeter von der Masse der Leute abheben. Durch meine Sonderaufträge hebe ich mich aber einen Meter von allen Anderen ab. Du kannst 10 Jahre hier stehen und arbeiten. Selbst wenn du alles richtig machst wird dein Vorgesetzter nicht viel mehr über dich sagen, als dass du das machst, wofür du bezahlt wirst. Das reicht nur für eine gute, aber nie für eine sehr gute Beurteilung.“ Das ist der gelebte Überstrahlereffekt.

 

Sympathie

Ein persönlich gutes Verhältnis den Lehrern ist das Letzte, was deiner Note schaden könnte. Insbesondere in der mündlichen Beurteilung kann man die Benotung nicht immer direkt nachvollziehen. Im Idealfall fällt dem Lehrer selbst nicht auf, dass er dich besser benotet hat, als er es sollte.

Auf was ich aber unbedingt noch hinweisen möchte: Ich mochte meine Lehrer – mit der Ausnahme eines Lehrers, den wir für ein Semester im Grundstudium hatten – persönlich und vom Unterricht her wirklich gerne. Das persönlich gute Verhältnis war also nicht gespielt.

Nun versetz dich in die Situation der Lehrer: Überlege dir, du hast jemanden wirklich gern. Jetzt sollst du jemanden schlecht beurteilen und im Extremfall muss derjenige die Schule verlassen, weil die Leistungen der Person schlecht bewertest. Das kostet sehr viel Überwindung. Die meisten werden deine Leistungen besser beurteilen, als sie es sollten. Mit einem guten Verhältnis kannst du die selbst weiterhelfen.

 

Projektionsfehler

Auch wieder ein Beispiel aus dem Berufsleben: Ich hatte mal ein Vorstellungsgespräch, weil ich von jemandem empfohlen wurde. Aufgrund des sehr guten Verhältnisses zwischen demjenigen, von dem ich empfohlen wurde, und der Gesprächspartnerin wurde ich direkt am Tag nach einem kurzen Telefonat zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Beim Gespräch brauchte ich fast nichts zu tun. Die Gesprächspartnerin war damit beschäftigt, mir vom Unternehmen und der Aufgabe zu erzählen. Außerdem erzählte sie davon, wie gerne sie mit dem Unternehmen mit meinem Bekannten arbeitete. Sie erzählte so viel, dass ich einfach keine Gelegenheit hatte, einen Fehler zu machen. Am Ende des Interviews teilte sie mir mit, dass ich mich ja so gut verkauft hätte. Sie müsse mich unbedingt ihrem Vorgesetzten vorstellen. Ich wollte nicht widersprechen 😉

Was heißt das für uns Schüler? Im Idealfall habt ihr gemeinsame Bekannte mit den Lehrern und könnt von denen erzählen. Wenn das nicht so ist, kennt ihr vielleicht ehemalige Schüler eurer Fachschule und könnt mit den Lehrer darüber sprechen, was diese gerade so machen. Die ehemaligen Studierenden sollten natürlich ein gutes Verhältnis zu den Lehrern gehabt haben.

Welche Fehler habt ihr in eurer Schülerkarriere festgestellt und wie habt ihr sie genutzt? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Ich würde mich freuen, wenn du diesen Artikel teilst!


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